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Meine Geschichte mit den Drogen

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In meiner Ausbildung musste ich mich mit dem Thema „Sucht“ beschäftigen. Gemeint war damit der Konsum von „Substanzen“ und den daraus erwachsenden Suchtkrankheiten. Durch das Distance-Learning, dem ich als Student unterworfen war, fand das Thema als Buchstudium und Frontalunterricht statt. Keine bunten Plakate, kein Teamwork und keine hitzigen Diskussionen im Plenum. Zu der Zeit befand sich meine Schreiberei auf Pause und glomm im Hintergrund vor sich hin. Ab und an kam eine Idee, die ich in meinen Notizblock festhielt – unter anderem auch die zu Voltumnus Perlen.

Was meine Erfahrungen mit Drogen – ich spreche von psychoaktiven Substanzen nach Strafgesetzbuch – betrifft, so habe ich keine vorzuweisen. Vielleicht hatte ich das Glück auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, denn wie ich erst in meinen 20ern erkannte, war ich extrem schlecht darin, mein Suchtverhalten zu kontrollieren. Ich habe lieber stundenlang über die Verharmlosung von Cannabis diskutiert, als meine Schwäche zuzugeben. Da ich mich in der Techno-Szene bewegte, konnte ich beobachten, wie Menschen abstürzten – das waren stets Warnungen für mich. Mich hatten zwei dieser Schicksale so schwer mitgenommen, dass ich dazu überging, alles, was mich gefährden könnte, auszublenden. Mit der Zeit entwickelte ich eine Blindheit, die ich mir jetzt im Job wieder abtrainieren darf. Diese antrainierte Blindheit ging sogar so weit, dass ich mich auf meiner erste Goa darüber wunderte, warum um acht Uhr Morgens dieselben Leute auf der Tanzfläche tanzten, wie sechs Stunden zuvor. Für diese Anekdote wurde ich mittlerweile so oft ausgelacht, dass ich selber drüber lachen kann. Ich war seit dem nie mehr auf einer Goa.

Ich beim Trommeln

Ich habe ein gutes Verhältnis zu Rausch. Rausch ist der Weg in die Ekstase und in der ich mich mit dem All-sein verbunden fühle. Es gibt mehrere Wege dorthin, der liebste ist mir das Tanzen. Das geht wunderbar anonym im Club mit guter Musik und ein oder zwei Bieren. Wenn ihr mich beim Ausgehen finden wollt, dann auf der Tanzfläche. Zu Covid-Zeiten habe ich festgestellt, dass es auch alleine Zuhause mit ein bisserl buntem Licht, guten Kopfhörern und dem passenden Stream auf Twitch funktioniert. An der Stelle würde ich gerne festhalten, dass dies das unumstößliche Zeichen dafür ist, dass wir als Gesellschaft gescheitert sind. Trommeln, Wandern oder viel zu arbeiten hilft mir, in gewissen Abstufungen wohlgemerkt, ebenfalls in Trance zu gelangen, oder zumindest in den Flow. Der Punkt mit dem viel Arbeiten war es dann, der mir den Impuls zum Schreiben von Voltumnus Perlen gegeben hat.

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Voltumnus Perlen ist nach Belunes Schwert die zweite von drei Kurzgeschichten, die ich dazu verwende, den Erzählstil von Joscelyne, meiner Heldin in Laubelmont, zu testen – bevor ich mich in ein Romanprojekt stürze. Joscelyne ist eine Teenagerin; und da meine Kids auch bald Teenager sein werden, kann ich recht gut beobachten, welchem Leistungsdruck die Jugend von heute ausgesetzt ist. Nicht nur die Anforderungen der Schule sind es, sondern auch die einer komplexen Welt, die kaum Nischen für Unentdecktes, aber einen Haufen Kaninchenbaue bietet, in die man stolpern könnte. Dazu kommen Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen und sie mit Terminen überschütten. Im Beisl² wird dann festgestellt, dass unsere Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen.

Am Festival of Urban Artforms in Wiesen 2006 - einer meiner schönsten Festival-Erinnerungen
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Darum greift Joscelyne in der Geschichte auch zu einer Droge, die in der Schule als Lernhilfe gehandelt wird. Joscelynes Motive sind natürlich andere, denn sie war nie schlecht in der Schule und möchte einfach nur ihre Gefühle besser verbergen können. Bloß hat sie die Rechnung ohne die Stadt und den Gottheiten die dort leben gemacht, welche stets ein Garant für schräges Zeug³ sind. Joscelyne schildert ihrer verstorbenen Mutter von den Wochen mit Blitz. Wie es dazu kam, wer ihr die Perlen verkauft hatte, und wie kompliziert es wurde, als ein Mitschüler den Club der Konsumenten verließ. Es ist keine typische Erzählung wie die (alten) Kinder von Bahnhof Zoo, denn als Joscelyne herausfindet, dass diese Droge eine magische Komponente hat, ändert die Erzählung ihre Richtung und es kommt die Fantasy ins Spiel.

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Ich wundere mich ein wenig darüber, dass diese Geschichte ausgerechnet zu mir gefunden hat. Denn wie oben erwähnt, hatte ich nie viel mit Drogen zu tun. Vielleicht, weil diese Geschichte keine typische Ich-sehe-im-Rausch-Dinge Geschichte ist. Das typische Trope* von der Erweiterung des Bewusstseins kann ich nicht mehr hören – speziell als Mensch, der sich selbst als spirituell bezeichnet und mit vielen Hippies abgehangen ist. Außerdem habe ich erkannt, dass der typische Österreicher einfach nur gerne rauschig sein möchte und zwischen Bier und Bong auf die gleiche Weise unterscheidet, wie zwischen Bier und Schnaps. Aber lassen wir das und kehren wir zurück zu Joscelyne und um was es in Voltumnus Perlen wirklich geht. Neben den Perlen dreht sich die Geschichte auch um das Dazu-gehören-wollen und das Erfüllen von Erwartungen. Was die beiden Punkte betrifft kann ich absolut mitreden.

Der Text ist fertig geschrieben und wurde von der wunderbaren Tanja lektoriert. Sobald ich mit der Formatierung fertig bin, werde ich sie hier auf meinem Blog veröffentlichen. Am besten abonniert ihr meinen Newsletter, denn da erfährt ihr am schnellsten, wenn ein neuer Blogartikel erscheint. Bis dahin – und so fern ihr das noch nicht getan habt, lest Belunes Schwert als einen unterhaltsamen Zeitvertreib.

Fußnoten

* Trope: der Tropus, eine bestimmte Gruppe von Stilmittel in der Rhetorik, wie etwa die Metapher. Gemeint ist damit ein bestimmtes wiederkehrendes Motiv einer Erzählung. Zum Beispiel mache ich dir hier gerade den Erklärbären.

2 Österreichisch für das Wirtshaus

3 als Metapher für Dinge, die durch Magie passieren

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JamesVermont aus Klagenfurt am Wörthersee ist Gestalter, Autor, Trommler und Vater 2er Kinder.

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