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Jahresrückblick 2025: ein so-kann-es-nicht-weitergehen Jahr

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2025 war für mich ein Jahr der unerwarteten Veränderungen. Was jedoch als willkommenes Momentum in festgefahrene Probleme angefangen hat, stellte sich bald als Belastungsprobe heraus, an dessen Ende der Satz stand: „Oida, so kann’s ned weiter gehen.“ Jetzt, in den letzten Tagen des alten Jahres stehend, kann ich mit Sicherheit sagen: Es ist ein Aufbruch in (m)ein neues Zeitalter. Aber schauen wir uns die Themen wieder gesondert an.

Bild: Dominik H.

Ich kann nicht jedes Problem mit Fleiß und Disziplin erschlagen

Seit April arbeite ich Teilzeit, habe meine beiden Kinder, den Haushalt und nebenher meine Schreiberei mit den damit verbundenen Aktivitäten auf Socialmedia laufen. Soweit alles normal.

Aber, hey! Ist das wirklich „normal“? Denn unter der Lupe betrachtet zerrt mich jeder dieser Aufgaben in eine andere Richtung. Meistens gelingt es mir ganz gut zur nächsten Aufgabe zu navigieren, doch in 2025 ist mir das zunehmend schwerer gefallen. Irgendwann habe ich mich bei dem Gedanken erwischt, dass ich den ganzen Tag nur am „grinden“ [1] bin (wie das mein Sohn so schön formuliert hat). Das war glaub ich das erste Mal, dass ich für mich festgestellt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Trotzdem glaubte ich zu dem Zeitpunkt noch, dass ich alle Aufgaben mit Fleiß und Disziplin erschlagen kann.

Schätze was du hast

Mitte des Jahres stellte sich dann die erste Schreibblockade ein, weil ich mich ganz klassisch selbst überfordert habe. Na gut: Ein neuer herausfordernder Job (seit April) und hohe Ausgaben für die Kids bei gleichzeitiger Teuerung der Lebenserhaltungskosten. Ah, ich glaube du siehst woher der Wind weht. Ja, genau: Schreiben muss man sich leisten können. Aber mittlerweile kommen beim Thema Finanzen Aspekte hinzu, die sich in meinem Familienleben niederschlagen. Also was macht der Jamesy? Genau! Er denkt sich einen klugen Plan aus und versucht das Problem mit Fleiß und Disziplin zu erschlagen!

Die Idee wäre gewesen meinen Blog aufzuhübschen (was ich auch getan habe, siehe unten) und mit finanziellen Unterstützungssystemen wie Patreon oder Steady zu arbeiten. Vielleicht einen Webshop zu betreiben, wie das manche Autor:innen tun, um wenigstens auf diesem Weg ein bisschen finanzielle Liebe abzugreifen. Ich hatte mir sogar ein schickes neues Design für mich überlegt, als das gedankliche Luftschloss wie ein Heli-Carrier abgeschmiert ist und meine Schreibroutine unter sich begraben hat. Fuck.

Wenn Dir das gefällt …

Scheidung

Ich hab dann beschlossen, die Gewinnabsicht beim Schreiben so lange hinten an zu stellen, bis die Rushhour in meinem Leben nachlässt. Meine Kids sind Teenager und ihre Wege in die weite furchterregende Welt zeichnen sich ab – insofern fällt es mir nicht schwer, für zwei/drei Jahre weiterhin kleine Brötchen zu backen. Also arbeitete ich weiter an meinen Texten und genoss die Ruhe, die sich einstellt, wenn man mal auf Instagram nicht um sein Leben posten muss.

Das funktionierte eine Weile sehr gut, aber änderte nichts an der Tatsache, dass weiterhin Geld fehlte – worauf Elaria nicht müde wurde hinzuweisen, bis sie sagte: „Oida, so kanns ned weitergehen“. Für sie war die Situation weit unangenehmer, also einigten wir uns darauf, uns scheiden zu lassen. Du kannst dir vorstellen, dass die Situation weitaus vielschichtiger ist, als ich hier erzähle und du kannst dir ebenfalls vorstellen, dass ich sie an dieser Stelle nicht ausbreiten möchte.

Bloß eröffnete die Scheidung ein noch weiteres Feld, denn die Kids und ich waren ja nach Oberösterreich gezogen, damit genau das nicht passiert. Es tauchten logischerweise Fragen auf, wie: Macht es da noch Sinn hier zu bleiben? Macht es überhaupt noch Sinn, so eine große Wohnung zu erhalten?

Eine Freundin sagte dann zu mir, dass ich doch schätzen solle, was ich habe. Damit lieferte sie einen der wichtigsten Botschaften des Jahres.

„Schätze verdammt noch mal was du hast.“

Ich hab ihn mir hinter die Ohren geschrieben, denn ich mag mein Zimmer und ich habe nie ein gemütlicheres besessen. Auch wenn ich Linz nicht mag, meine Kids haben hier Freunde gefunden. Es gibt coole Vereine, bei denen wir Mitglied geworden sind, und bis sie die Autobahn an unserem Wohnort vorbei bauen, vergehen noch ein paar Jahre. Zwar bin ich mies im Vernetzen, und Insta ist ein einziger Schmerz, doch bin ich Autor und befasse ich seit fünfundzwanzig Jahren mit dem Erzählen von Geschichten. Ganz zu schweigen von meinem aktuellen Job, der spannend ist, wie noch keiner zuvor. Ich könnte die Liste noch weiter führen, doch möchte ich dir noch ein paar andere Sachen erzählen.

Erinnerungen

Meiner Tochter hat mich zu einer Wanderwoche nach Kärnten eingeladen und da durfte wieder tief in das spirituelle Netz des Landes eintauchen. Auf eine sehr verträumte und melancholische Art und Weise wurde ich daran erinnert, wer ich einmal war. Dem destruktive Gedanken, dass ich heute nur noch ein Schatten meines vergangenen Ichs bin, konnte ich geschickt ausweichen, denn ich weiß eigentlich recht gut, was ich kann. Zwar brennt mein magisches Herzfeuer einzig und alleine zu dem Zweck halbwegs selbstbestimmt am Leben zu bleiben, aber es lodert ein klein wenig mehr.

Der lokieske Mercurius auf meiner Schulter hat eh schon gefragt, ob das Schreiben nicht eh nur eine Ablenkung von der Kunst war. So dreht sich das Gedankenkarussell Runde um Runde. Die bereits erwähnte Freundin sagte 2025 noch einen weiteren klugen Satz: „Du bist ständig mit dir selbst beschäftigt“. Damit hat sie so was von recht und es hängt mir mittlerweile zum Hals raus. Doch das wird Thema für den Jahresausblick 2026 werden.

Video

Das Jahr 2025 begann gleich mit zwei Schlägen in die Magengrube. Der erste erfolgte durch die Tech-Bros in Amerika, die zum Amtsantritt Trumps Entscheidungen trafen, die mir als politische Socke gar nicht gefielen. Es sollte weitere folgen, die mich immer wieder darüber nachdenken ließen, wem ich als Content-Mensch wirklich diene.

Der zweite Schlag in die Magengrube war mein Video „Die Nacht“, welches von YoutTube nahezu nicht ausgespielt wurde. Mittlerweile ist der Dämpfer zwar verdaut, und ich habe gelernt, dass die Plattform alles dunkler macht, was hochgeladen wird, aber ich kam dann einfach nicht dazu etwas Neues zu produzieren. Doch – gute Nachrichten an dieser Stelle – ein neues Projekt wurde gefilmt und chillt sei Herbst bei mir in der Postproduktion.

Auch wenn 2025 auf für die YouTube-Community eher schlecht gelaufen ist und viele Produzent:innen ihren Unmut kundgetan haben, bleibt es für mich die Plattform meiner Wahl. Natürlich kann ich ihr – bei den vielen Dingen, die ich zu tun habe – keine hohe Priorität einräumen.

Mein Foto des Jahres 2025

Schreiben

Trotz der dicken Schreibblockade im Herbst, war mein Schreibjahr sehr produktiv. Ich hatte mich auf zwei Anthologien beworben. Bei der ersten (Blutnacht) wurde ich leider nicht genommen und bei der zweiten (Sie kommen in der Nacht) hatte ich die Deadline nicht geschafft. Trotzdem sind zwei sehr gute Geschichten entstanden, wobei „Sie kommen in der Nacht“ in dem jahrelang angekündigten Kurzgeschichtenband veröffentlicht werden soll.

Die Arbeit am zweiten Band der REYS hat angefangen und ich habe auf meinem Blog zwei Seiten hinzugefügt, welche der geneigten Leserschaft die Welten erklärt, in denen zum Beispiel die REYS spielen. Die beiden Seiten sind einerseits das Ergebnis meiner geplanten und verworfenen Monetarisierung meiner Kunst, andererseits Ergebnis der Stoffentwicklung für meinen Debütroman, der nach dem zweiten Teil der Reys geschrieben werden soll.

Ansonsten freut es mich zu sehen, dass trotz weniger Blogartikel gleich viele Menschen auf meinen Blog gefunden haben. Die neue Rubrik „Kopfkino“ kommt gut an, was mich sehr freut, da sie handwerklich ein wenig aufwendiger zu produzieren ist und durch die Abstraktion über die fiktive Filmfirma, in der die Blogartikel spielen, emotional so nahe geht, wie DAS hier.

Was ich jedoch aus den Zahlen zu lesen glaube ist, dass Rückblick-Artikel wie: Wie war dein Sommer und der Jahresrückblick, bei dir gefragt sind. Hmm … Helfen meine persönlichen Reflexionen etwa anderen Menschen dabei „Dinge“ einzusortieren? Was meinst du dazu? Was bringt es dir zu lesen, wie mein Jahr gelaufen ist?

Der Evergreen-Content (z.B. die Rauhnachtsgeschichte) hat heuer so viele Klicks gebracht, wie noch nie. Möglicherweise liegt das an den Suchergebnissen der AI-Suchmaschinen, weil das entweder persönliche oder nischige Themen sind, die auf meinem Blog gefunden werden. Schön zu sehen.

Diese wunderschönen Klickzahlen sind das einzige, was ich als Feedback in 2025 für meine Arbeit am Blog bekommen habe. Kein einziges Kommentar wurde geschrieben und kein Mensch ist neu in meinen Newsletter hinzugekommen. Ja, zwar gibt es Reaktionen auf Insta, Facebook und Co., und ich freue mich darüber, jedoch sagt es nicht aus, dass auch auf den Blog geklickt wurde.

Ausblick auf 2026

Das Jahr 2026 kribbelt auf dieselbe Weise in meinen Fingern, wie wenn ich lange auf meiner Tastatur schreibe. Es verspricht also arbeitsam zu werden. Was ich jetzt schon weiß ist, dass ich innerlich flexibler werden muss. Das macht mir ein wenig Angst, weil meine Halsstarrigkeit für Stabilität gesorgt hat – 2025 hat mir gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Also was nun?

Tja, ich wäre nicht Autor, wenn die Antwort nicht schon als Skizze in meiner Schublade liegen würde. Sie wird kommen. Und zwar als eigener Artikel in Form eines Ausblicks auf 2026. Bald.

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[1] Grinden: engl. mahlen, schleifen. Begriff aus dem Gaming. Er beschreibt einen monotonen Vorgang (z.B. Kämpfe gegen schwache Gegner), der dazu dient, die Werte von Charakterfähigkeiten zu verbessern, um ein bestimmtes Ziel oder Level zu erreichen.

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JamesVermont aus Klagenfurt am Wörthersee ist Gestalter, Autor, Trommler und Vater 2er Kinder.

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