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Hexereien Betatest #16: Der Sog der Tiefe

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Eine dichte Wolkendecke bedeckt das ganzen Land. Marie von Grey liegt auf dem dicken Stamm einer Buche, die mit seiner gebogenen Form am Rand einer steilen Felswand der Dunkelheit des Fichtenwaldes zu entkommen versucht. Durch die verworrenen Äste wirkt der ganze Baum, als würde er sich im langsamen Takt einer Musik bewegen, die auf Grund ihrer Langsamkeit für Menschen nicht hörbar ist.

Zweihundert Meter unter Maries baumelnden Füßen, am Fuße der Steilwand, liegt Lintwerth. Hier oben ist die Stadt weit entfernt und doch sichtbar. Westlich davon beginnt der Werthsee, aus dessen Wasser gespenstische Nebelschwaden steigen – nach langer Zeit hat es endlich geregnet.

Maries Herz wiegt schwer, doch der Stamm trägt auch diese Last. Zwar drückt er gegen ihr Brustbein, doch scheint der Baum nur für sie und ihre Traurigkeit gewachsen zu sein. Und so stellt der Sog der Tiefe, der auf sie wirkt, auch keine Gefahr mehr für sie dar. Die Gefahr wohnt nur hinter Maries Brust. Hier reißen Scheitern und Verlust an den Grundfesten ihrer Seele.

Marie spürt die Anwesenheit ihrer Freundin Daniela Herkulania noch bevor sie in Hörweite kommt. Trotz ihres leichten Schuhwerks und dem langen Rock, scheint die Frau durch den unwegsamen Wald zu schweben. Als sie eintrifft, entkommt ihr ein Seufzen:
„Ach, Marie …“, und nimmt am Fuß der tanzenden Buche platz.

Eine Weile lauscht Daniela in dem leichten Wind, der hier am Abgrund immer weht, dann findet sie zu ihren Worten:
„Nichts weniger als die Ganzwerdung haben wir Menschen uns als das große Ziel gewählt, als wir auf der Erde inkarniert haben. Den Blick auf dieses große Ziel gerichtet, haben wir den aktuellen Rückschlag vielleicht gar nicht kommen sehen.

Jetzt hängen wir in den Seilen und hassen uns womöglich selbst. Das kann man dieser Tage auch gerne mal tun und der geistigen Welt, oder dem Schicksal die Arbeit überlassen.

Gewarnt sei hier vor Übertreibung! Denn der Sog der Tiefe verleitet dazu eine Abwärtsspirale zu betreten, die aus Selbstmitleid, Selbstzerstörung werden lässt. Halt (gerne auch von Außerhalb) und eine leichte Vorwärtsbewegung verhindern Schlimmeres.

Lass den Blick für einen Moment vom großen Ziel und sieh auf den Weg vor Dir. Welche kleinen Schritte kannst Du jetzt schon tun, bis die geistige Welt Dir bessere Karten zuteilt und während Du Deine Schwärze zelebrierst?

Die weiteren Aussichten:
Schon Morgen sind die Schicksalsgöttinen am Austeilen. Am Samstag ist es wichtig, etwaige Unzufriedenheiten nicht nach außen zu projizieren, sondern ehrlich mit sich selbst umzugehen. Am Sonntag sorge gut für Dich und vermeide Ärger im Innen, wie auch im Außen.“

Hinweis: Dieser Text ist auch als Video verfügbar 🙂

von JamesVermont
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Über den Autor

JamesVermont aus Klagenfurt am Wörthersee ist Gestalter, Autor, Trommler und Vater 2er Kinder.

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